Die Kursstufe 1 im Badischen Staatstheater

Der zerbrochne Krug von Heinrich von Kleist in Karlsruhe
Die Kursstufe 1 besuchte gemeinsam mit ihren Deutschlehrer*innen die Vorstellung Der zerbrochne Krug von Heinrich von Kleist im Badischen Staatstheater Karlsruhe. Im Unterricht setzten sich die Schüler*innen dann schreibend und zeichnend damit auseinander, sie verfassten Rezensionen zur Inszenierung und entwarfen eigene moderne Cover-Gestaltungen:
Die Inszenierung des Dramas Der zerbrochne Krug des Badischen Staatstheaters Karlsruhe zeigt eindrucksvoll, wie aktuell ein über 200 Jahre altes Stück noch sein kann.
Das Drama im Wilden Westen als Setting zu sehen, wirkt im ersten Augenblick befremdlich. Jedoch unterstützen die typischen gesellschaftlichen Umstände im Nachhinein die Themen des Dramas durchaus. Obwohl Kleist sein Werk als Lustspiel (Komödie) betitelt, verdeutlicht die Inszenierung, dass der Machtmissbrauch seitens Gerichtsrat Walter (in der Inszenierung Gerichtsrätin) und Dorfrichter Adam thematisch im Zentrum des Stückes steht. Die beiden stehen dabei nicht nur für individuelles Versagen, sondern für ein System, welches Ungerechtigkeiten ermöglicht.
Zwischen Cowboyhüten und Kakteen wird die Schutzlosigkeit und Not Eves (die Hauptbetroffene) besonders deutlich, bis sich die Situation schlagartig umkehrt. Den Höhepunkt bildet der neugeschriebene Schluss, eine Wutrede, die die Handlung des Dramas unterbricht und eine direkte, emotionale Anklage gegen fehlerhafte bzw. unfaire gesellschaftliche und juristische Strukturen ist.
Gerade dadurch gewinnt das Stück an Aktualität, denn es werden Probleme angesprochen, welche in der realen heutigen Welt auftreten, statt in der Vergangenheit zu liegen. Eindrucksvoll wird Eve, symbolisch für Opfer sexueller Übergriffe, in Szene gesetzt, als sie für sich einsteht und Gerechtigkeit fordert. Die abschließende Wutrede zwingt das Publikum dazu, Parallelen zur heutigen Gesellschaft zu ziehen und verdeutlicht die strukturellen Missstände, unter anderem durch die fehlende Unterstützung für Eve und die Manipulation des Gerichtsprozesses durch Adam sowie Walter.
Eine sehr beeindruckende Inszenierung, die berührt und nachhaltig zum Nachdenken anregt.


Elanor Horneck & Carlina Ziegler (KS1)

Zeichnung von Emine Akin (KS1)

12.05.26