Der 102-jährige Holocaust-Überlebende Walter Bingham in Karlsruhe
Am 27.01.26, dem internationalen Holocaust-Gedenktag, bot sich für den Leistungskurs Geschichte und einige Lehrkräfte des Kant-Gymnasiums eine ganz besondere Möglichkeit: Im Landratsamt Karlsruhe konnten wir einem Überlebenden des Holocausts zuhören.
Walter Bingham wurde 1924 in Karlsruhe geboren. Er erzählte sehr lebhaft und fesselnd von seinen Erfahrungen nach der sogen. „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten 1933: Wie er in der Schule von Mitschülern, aber auch von Lehrkräften ausgegrenzt und diskriminiert wurde, wie er 1938 die Synagoge brennen sah. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs entschied Binghams Mutter, ihren 15-jährigen Sohn auf einen Kindertransport nach England zu schicken. Das rettete ihm das Leben, während sein Vater zu diesem Zeitpunkt bereits von den Nationalsozialisten verschleppt worden war und im Warschauer Ghetto starb. Bingham wurde nach Ende des Krieges als britischer Soldat eingesetzt, um deutsche NS-Verbrechen aufzudecken. Er lebte dann bis zu seinem 80. Lebensjahr in England, bevor er nach Israel auswanderte, wo er nach eigener Aussage erstmals eine Heimat fand.
Schüler und Lehrkräfte waren sehr beeindruckt davon, dass Bingham in seinem hohen Alter als Zeitzeuge alle Energie dafür einsetzt, gegen das Vergessen zu kämpfen und vor Antisemitismus zu warnen. Auch im anschließenden Gespräch mit den Schülern zeigte er sich sehr offen und interessiert. Wenn die Gesundheit es zulässt, möchte er nicht nur einen weiteren Fallschirmsprung (!) wagen, sondern auch wieder in seine Geburtsstadt Karlsruhe kommen.
Dreiminütiger Filmbeitrag des SWR-Fernsehens über Walter Binghams Besuch in seiner Geburtsstadt Karlsruhe
D. Lundberg
03.02.2026